Der Überredungskunst seines alten Studienkollegen Gunther Rabl ist es zu verdanken, dass dessen lang gehegter Traum, das Kap Hoorn mit einem Segelboot zu umrunden im Februar 2023 zustande kam.
Im Gegenzug konnte Peter Stix, der seine langjährige Segelkarriere als Navigator für längst abgeschlossen hielt, seinen Freund Gunther im Anschluss an das Segelabenteuer von einer Offroad Reise durch Feuerland und Patagonien überzeugen – wenn man schon einmal da „unten“ ist …
Die Vorbereitungen auf dieses Abenteuer begannen fast ein Jahr zuvor mit dem Kennenlernen unseres Skippers, den erfahrenen Antarktissegler Osvaldo E. Escobar Torres, der uns klar machte, dass es sich um keine Spazierfahrt auf seiner SY AL FIN handelt, sondern der Törn der Crew alles abverlangen wird. Stichwort Crew: Osvaldo organisierte im Vorfeld ein Zusammentreffen mit zwei weiteren Abenteurern zum gegenseitigen „Beschnuppern“ und Eignungsabklärung, ob man zu viert in einer solchen Konstellation miteinander „kann“ und auch gewillt ist, sich den bevorstehenden Herausforderungen gemeinsam zu stellen.
Den „Test“ haben alle vier auf Anhieb gleich bestanden – es entwickelte sich spontan eine geradezu freundschaftliche Chemie zwischen dem Spanier J. Luis Ben, dem Deutschen Markus und uns zwei Österreichern – trotz der damit verbundenen Sprach- und Schmähbarrieren 😊.
Wetterbedingt startete der Törn von Pt. Williams, der südlichsten Stadt der Welt, nach Westen in den Beagle Kanal zu den bis ins Wasser ragenden kalbenden Gletschern.
Da wir uns auf eine West–Ost-Passage ums Kap Hoorn festgelegt hatten, musste auf dem Weg dorthin eine Route gewählt werden, die geeignet war, in geschützten Ankerplätzen das geeignete Fenster für die Kap Umrundung abzuwettern.
Während uns auf der ruhigen Fahrt durch den Murray Kanal noch friedliche Wale begleiteten, baute sich am Kap Hoorn eine spannende Wettersituation auf.
Nach dem Abwettern in einer kleinen Bucht bei Puerto Maxwell öffnete sich ein schmales Zeitfenster, das die Umrundung des Kap Hoorns nach vorheriger Genehmigung der Militärstation zuließ. Das perfekte Timing unseres erfahrenen Skippers Oswaldo ließ das Abenteuer risikominimiert erfolgreich gelingen.
Wegen der hohen Dünung und prognostizierten 50 Knoten Wind musste ein Anlegemanöver an Land und Besuch des Albatros Denkmals als zu riskant verworfen werden. Die Drake Passage am Zusammentreffen von Atlantik und Pazifik ist der größte Schiffsfriedhof der Welt mit geschätzten 800 gesunkenen Schiffen. Der Blick auf das 1992 errichtete Monument zu Ehren der über 10.000 umgekommenen Seeleute erinnert daran.
Geschafft: zur Feier der Überquerung des 67ten westlichen Längengrades von West nach Ost wurde eine Sektflasche sabriert und der Manöverschluck genossen.
Nach unserer Rückkehr in Puerto Williams trennten sich die Wege der zusammengeschweißten Crew, aus der sich bis heute eine dauerhafte Kontaktfreundschaft entwickelt hat.
DIE LANDPARTIE CARRETERA AUSTRAL
Nach dem Rückflug von Puerto Williams nach Punta Arenas mussten wir bei der Übernahme unseres Mietwagens bedauernd zur Kenntnis nehmen, dass aus Versicherungsgründen die geplante Anfahrt zum Ausgangspunkt der Carretera Austral in Villa O´Higgins auf dem Landweg verboten war. Es gibt so gut wie keine Mietwagenfirma in dieser exponierten Region, die einem die Durchreise durch Argentinien mit dem oneway Ziel Puerto Montt erlaubt. Zitat: „Sie würden das Ziel über Argentinien mit diesem Auto nie erreichen, andere Autos haben wir nicht!“; ob das am schwach ausgerüsteten Rav4 Toyota lag oder wir nur den falschen Vermieter gebucht hatten, blieb ungeklärt …
Die einzig mögliche Alternative bescherte uns nach der südlichen Erkundung Patagoniens eine zweitägige Fährfahrt von Puerto Natales nach Caleta Yungai und dem 1. Etappenziel – dem Beginn der Carretera Austral.
Zum Eingewöhnen: Spritmanagement war das Gebot der ersten Stunde, was man nicht mithat, führt trotz sorgfältiger Planung manchmal zu Überraschungen. Als wichtigstes Werkzeug stellte sich nämlich Reifenflickzeug heraus.
Die Straßen sind im wahrsten Sinn des Wortes „Reifenmörder“. Es dauert ein paar Tage samt notdürftig reparierter Reifenpannen, bis man eine ideale reifenschonende Reisegeschwindigkeit herausfindet – ein Kompromiss zwischen Patschen flicken, weiterkommen und Landschaft genießen.
Die ungewollt notwendig gewordene zweitägige Fährenfahrt von Puerto Natales nach Celata Yungay sollte sich als eindrucksvolles einfaches Leben mit Einheimischen herausstellen, die dieses Transportmittel als einzige Möglichkeit nutzen, um mit Schafen, Guanakos und Waren aller Art zwischenliegende Dörfer zu versorgen, zu denen es keine Straßen gibt.
Nach 54 Stunden Fähre endlich in Caleta Yungay angekommen hofften wir auf einen gemütlichen Aufenthalt in Caleta Tortel – eine aufgrund des Reliefs nur mit Holzstegen verbundene Stadt ohne Straßen in der Region Aysén mit 500 Einwohnern, die erst 2002 mit einer Schotterstraße an die Carretera Austral angebunden wurde. Man parkt am obersten Rand von Tortel und überlegt sich gut, was und mit wieviel Gepäck man gewillt ist, die steilen Holzstege und Treppen bis in die gebuchte Unterkunft zu wandern.
Am 18. Februar 2023 erreichen wir den Beginn (eigentlich das Ende) der 1247km langen Carretera Austral, die im Auftrag von Pinochet nach 20 Jahren Bauzeit 1996 fertiggestellt wurde.
Die als Fernstraße geplante Verbindung von Puerto Montt in den Süden von Aysén ist zumindest im Süden eine wohlwollende Bezeichnung für den Zustand dieses Verkehrsweges durch Patagonien, den wir von Süden nach Norden in Angriff nahmen.
Über pistenähnliche Straßenabschnitte über Cochrane, Puerto Guadal, Puerto Tranquilo zu den Gletschern Puerto Grosse und weiteren Fähren erreichen wir am 21. Februar 2023 Coyhaique nach Puerto Aysen. Weitere Abstecher zum Rio Cisnes nach Puerto Puyuhuapi und Futaleufu führen uns zurück nach Chaiten, wo uns die Fähre nach Quellon im Süden von Chiloe bringt.
Chiloe allein wäre eine eigene Reise wert, was uns veranlasst hat, wenigsten auch den Nordwesten der Insel im zur Verfügung stehendem Zeitrahmen zu erkunden.
Nach insgesamt 3.262km spannenden Autokilometern und zahlreichen Fährverbindungen fiel die Abreise aus Chile am 3. März 2023 mit dem Wunsch des unbedingten Wiederkommens nicht leicht.
Text: Peter Stix
Fotos: Peter Stix, Gunther Rabl




























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Trixi (Mittwoch, 11 Februar 2026 11:04)
Wirklich sehr beeindruckendes Abenteuer!
Gunther (Mittwoch, 11 Februar 2026 14:14)
Ja, es war ein spannendes Abenteuer !
Trotz aller Vorbereitungen gibt es immer wieder Überraschungen, die es zu meistern gilt. Die größte war, dass wir für den Toyota trotz zahlreicher Bemühungen keinen Ersatzreifen bekamen, die "Reifenflicker" aber sensationell sind. Ein Highlight waren sicher die vielen Menschen, die wir kennengelernt haben und deren Gastfreundschaft. Und wir hatten das Glück, dass wir uns sowohl am Schiff als während der Reise durch den Süden von Chile super verstanden und ergänzt haben. Was bleibt - die Lust auf mehr/Meer und super Erinnerungen.
Markus (Dienstag, 03 März 2026 17:24)
Danke für den interessanten Bericht. Coole Reisekombination Meer/Land an (zumindest aus unserer Sicht) abgelegener Stelle!