Angola – dieses große Land gleich nördlich angrenzend an das beliebte Reiseland Namibia – und doch völlig unbekannt auch den meisten Afrika-Reisenden.
In Angola wurde gleich nach seiner Unabhängigkeit von Portugal 1975 ein äußerst blutiger Bürgerkrieg begonnen, der fast 30 Jahre dauern sollte. Auf der einen Seite gab es die Unterstützung der Konfliktparteien durch Russland und Kuba, auf der anderen Seite durch Südafrika und die USA. Eine Million Menschen starben, das Land wurde verwüstet, weite Teile vermint. Erst 2005 kam es zu einem Friedensvertrag, der Wiederaufbau begann langsam. Seit 2017 ist der jetzige Präsident am Ruder. Beim Wiederaufbau waren vor allem die Chinesen höchst aktiv, dafür profitieren sie jetzt von den großen Erdölvorkommen Angolas.
Vor 30 Jahren standen wir mit unserem Mietauto in Namibia direkt am Kunene und konnten hinüber nach Angola blicken, aber damals war eine Reise dorthin absolut unmöglich.
Anfang 2024 lasen wir, dass man Angola jetzt problemlos visafrei bereisen kann - das war für uns der Anlass, um ein individuelles Programm für ganz Angola (mit Fahrer und englischsprachigem Guide) zusammenzustellen.
Dass Angola erst am Anfang im Tourismus steht, konnten wir daran erkennen, dass wir in den 3 Wochen unserer Reise keinen einzigen anderen Touristen getroffen haben.
Hier einige der Highlights unserer Reise:
Die Hauptstadt Luanda direkt am Meer mit 10 Mio. Einwohnern hat im Zentrum eine interessante Mischung aus historischen Gebäuden aus der Kolonialzeit, aber auch kommunistisch geprägten Plattenbauten und ganz modernen Hochhäusern.
Im Norden liegt die Stadt Mbanza Kongo – die Keimzelle der portugiesischen Kolonie Angola. Hier trafen die Portugiesen 1482 auf den König des Königreiches Kongo, begannen den Handel mit ihm und bauten die erste Kirche im südlichen Afrika, deren Ruinen noch heute zu sehen sind und seit 2017 UNESCO-Weltkulturerbe sind. Mit Hilfe eines local guides können wir den heutigen obersten Repräsentanten des Volkes Bakongo treffen. Wir besuchen auch eine Tropfsteinhöhle, die für das Volk heilig ist.
Östlich von Luanda liegen im Landesinneren einige landschaftliche Höhepunkte: Wir besuchen die Kalandula-Fälle, die zweitgrößten Afrikas. Hier stürzt der Fluss Lucala 105m tief und über eine Breite von 400m über eine Felsstufe hinab. Wir übernachten mit Blick direkt auf die Fälle – sehr spektakulär!
Nicht weit davon entfernt gibt es ein Gebiet mit imposanten Felsformationen und Türmen (Pedras negras), die durch Flechten und Gräser bunt gefärbt sind. Das können wir bei einer Wanderung aus nächster Nähe bewundern.
Gleich südlich von Luanda liegt direkt an der Küste eine beeindruckend farbenfrohe Erosionslandschaft (Miradouro da Lua).
Etwas weiter südlich liegt der Kissama Nationalpark. Nach dem Bürgerkrieg war in Angola fast der ganze Wildbestand vernichtet. In diesem NP wurde der Bestand wieder etwas aufgebaut (auch mit Tieren aus Südafrika), sodass man bei einer Pirschfahrt zumindest ein bisschen etwas sehen kann, aber natürlich kein Vergleich mit den NP in Ost- und Südafrika!
In der Nähe der Stadt Sumbe liegt noch ein kleinerer Wasserfall (Binga Fälle) und die Sassa-Höhle. Hier hat sich der Fluss Rio Cambongo eine ca. 1km lange und bis zu 70m hohe Durchgangshöhle gegraben, die man in der Trockenzeit durchwandern kann – ein sehr eindrucksvolles Erlebnis!
In den Städten im Süden von Angola wie Lobito, Benguela und Namibe kann man noch viele portugiesische Bauten im Art-Deco-Stil (tlw. renoviert) sehen, auch einige sehr eindrucksvolle Kinos aus dieser Zeit.
In der Nähe der Stadt Lubango gibt es zwei landschaftliche Höhepunkte: Ein nur 130m breiter und 1000m tiefer Spalt (Tunda Vala) teilt eine Steilwand der Chela Berge und bietet einen atemberaubenden Tiefblick.
Über einen 1000m hohen Steilabbruch führt eine spektakuläre Passstraße (Serra Leba) hinunter zur Küste.
Der Hauptgrund, um den Süden Angolas zu besuchen, sind aber die verschiedenen Völker, die hier weit abseits der Hauptstraßen als Bauern und Tierzüchter leben, z. B. die Mumuila, Himba, Vatua, Hakaona, Gambue, Khoi-San, Ngendelengue und Mucubal. Sie haben sich noch ihren ursprünglichen Lebensstil erhalten. Vor allem die Frauen zeichnen sich bei jedem Volk durch eigenständiges Aussehen aus. Es gibt die verschiedensten Formen von Körperschmuck und Frisuren.
Um hier in näheren Kontakt zu kommen, ist unbedingt ein guter Führer nötig, der weiß, wo sie leben und den Kontakt zu den Ältesten herstellen kann. Wir können unser Zelt direkt bei den Gehöften aufstellen und so ihren Alltag und auch ein spezielles Initiationsfest beim Volk der Humbi hautnah miterleben – sicher einer der Höhepunkte unserer Reise!
Angola ist das Land der Baobab (die man im ganzen Land sehen kann), aber im Süden in der Nähe der Stadt Xangongo direkt am Fluss Kunene liegen die wahrscheinlich größten und ältesten Baobabs Afrikas (Stammesumfang über 25m, bis zu 2100 Jahre alt!!)
Die Reise endet ganz im Süden in der Namib Wüste. Hier sehen wir Ebenen mit Tausenden von Welwitschias, diese beeindruckende urtümliche Pflanze, die einst der österreichische Botaniker Welwitsch hier in Angola entdeckt hat.
Man kommt hier auch zu einem Felshügel (Tchitundo Hulo) mit tausenden Felsgravuren an den Felsplatten des Berghanges und hunderten Felsmalereien unter zwei Felsüberhängen, die mehrere tausend Jahre alt sind.
Den Abschluss bildet eine Fahrt durch die Sandsteinschluchten von Colinas do Curoca und die Lagune von Arcos (mit mehreren Felsbögen).
Nach 3 Wochen haben wir auf jeden Fall ein umfangreiches Bild eines Landes gewonnen, das bisher für uns völlig unbekannt war und doch ein äußerst lohnendes Reiseziel ist!
Fotos: Robert Deininger, Brigitte Gründig
Text: Robert Deininger



















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Lisi & Martin (Montag, 09 Februar 2026 15:05)
Liebe Gitti,
danke für Eure tollen Bericht (beim Vortrag konnten wir ja leider nicht dabei sein).
Vielleicht können wir uns vor unserer Abreise noch einmal persönlich austauschen?
reisefreudige Grüße
Lisi & Martin
www.stonestours.at
Trixi (Mittwoch, 11 Februar 2026 11:06)
Angola steht eindeutig auf unserer Reiseliste. Danke für den schönen Bericht!
Markus (Dienstag, 03 März 2026 17:34)
Bei meiner Tour entlang der Skeleton Coast konnte ich an der Mündung vom Kunene River in den Atlantik (auf namibischer Seite) Schildkröten beobachten. Danke für deinen Bericht und Vortrag, nun weiß ich was es auf der anderen Seite zu sehen gibt!